Schreiben Computer bald ihren eigenen Code?

Was vor nicht allzu langer Zeit noch nach Science-Fiction klang, könnte schon bald Realität sein. Computer, die sich selbst programmieren. Was aktuell möglich ist, zeigt nun die Google-Schwesterfirma Deepmind. Das auf KI spezialisierte Unternehmen hat mit AlphaCode ein System entwickelt, das Code in der Qualität eines durchschnittlichen Entwicklers liefert.

Was kann Alphacode wirklich?

Eine menschliche Fähigkeit war schon immer, unvorhersehbare Probleme mit Hilfe von kritischem Denken und Erfahrung zu lösen. Maschinelles Lernen hingegen hatte unter anderem große Erfolge beim Generieren und Verstehen von Texten. Das Lösen von Problemen beschränkte sich jedoch auf einfache Mathematik- oder Programmieraufgaben bzw. es wurden bereits vorhandene Lösungen kopiert. Mit AlphaCode ist jedoch ein System geschaffen, das Computerprogramme auf konkurrenzfähigem Niveau schreibt. AlphaCode schaffte es unter die besten 54 % der humanitären Teilnehmer eines Programmierwettbewerbs (Codeforces). Die Aufgabe bestand darin ein Probleme zu lösen, welche eine Kombination aus kritischem Denken, Logik, Algorithmen, Programmieren und Textverständnis erforderte.

Sind Programmierer jetzt obsolet?

Das Ergebnis ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass rund 50 % der menschlichen Teilnehmer schlechter abschnitten als die KI. Dennoch sind menschliche Programmierer „noch“ unersetzlich, denn einerseits sind die Aufgaben in Codeforces nicht vergleichbar mit Aufgaben im Business-Umfeld, andererseits liegt das Ergebnis noch weit unter dem eines erfahrenen Programmierers. Vergleicht man diese Entwicklung jedoch mit der im Bereich der Bilderkennung, dann relativiert sich diese Aussage. Dass eine KI Bilder oder Objekte besser erkennen kann als die meisten menschlichen Konkurrenten, war vor einigen Jahren unvorstellbar und doch ist es bereits Realität geworden. Obwohl sich Alphacode noch in der Entwicklung befindet, ist das Potenzial der Entwicklung damit eindeutig.

Zukunft

Werden KI-Programme in Zukunft den Menschen komplett ersetzen und die Welt erobern, wie es viele Filme bereits suggerieren? Unwahrscheinlich, zumindest nicht kurz- bis mittelfristig. Die Realität ist eher eine Kooperation. Die KI unterstützt den Menschen und versorgt ihn mit wesentlichen Informationen, die der Mensch dann nutzen kann, um bessere Entscheidungen zu treffen. Ein gutes Beispiel ist die bereits erwähnte Bilderkennung. Der Algorithmus wird mit Bildern aus CT, MRT, Mammographie oder Hautflecken trainiert und soll bei der Früherkennung von Krebs helfen. Die Ergebnisse sind verblüffend und deuten darauf hin, dass KI bei der Erkennung von Krebs oft mindestens so gut ist wie Ärzte. Auch wenn noch Vorbehalte bestehen und die Analysen noch nicht in der Arztpraxis angekommen sind, muss man kein Hellseher sein, um sagen zu können, dass in absehbarer Zeit eine KI-gestützte Diagnose alltäglich sein wird.
Amazon Go
Aber so weit in die Zukunft muss man gar nicht blicken. Amazon hat vor einiger Zeit einen bargeldlosen Supermarkt „Amazon Go“ entwickelt (es gibt bereits über 30 Filialen). Kunden gehen in den Supermarkt, wo sie von Sensoren und künstlicher Intelligenz getrackt werden, holen sich die gewünschten Produkte aus den Regalen und verlassen den Laden, ohne zur Kasse gehen zu müssen. Die Bezahlung erfolgt über die Amazon-App. Wird sich das System durchsetzen? Davon können wir ausgehen. Die Technologie ist noch nicht voll ausgereift, aber in 5 Jahren wird es sich keine Lebensmittelkette mehr leisten können, nicht Teil dieser Entwicklung zu sein. Keine rosigen Aussichten für Kassierer?
Weiterbildung
Nur wenn wir dem Trend nicht rechtzeitig Rechnung tragen und gezielte Aus- und Weiterbildungen anbieten. Wäre es nicht toll, wenn wir endlich wieder Mitarbeiter im Supermarkt hätten, die ihren eigenen Markt kennen und wissen, wo Produkte erhältlich sind, oder wenn uns geschultes Personal Kochtipps geben könnte. Künstliche Intelligenz kann den Menschen schnell ersetzen, wenn es um standardisierte Aufgaben geht. Für höherwertige Tätigkeiten wird der Mensch durch KI ergänzt und es entsteht eine wertvolle Zusammenarbeit. Daher ist es wichtig, dass sich Politik und Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst sind und die Entwicklung jetzt mit Aus- und Weiterbildung begleiten, damit es später kein böses Erwachen gibt.


Zusammenfassung

Alphacode, eine Google-Schwesterfirma, hat einen Algorithmus entwickelt, der nach aktuellem Stand der Technik bei einem Programmierwettbewerb besser abschneidet als etwa 50 % der menschlichen Konkurrenten. Kann diese KI im Unternehmensumfeld bereits Programmierer ersetzen und Programme selbstständig erstellen? Nein, davon sind wir im Moment noch weit entfernt. Können Programmierer Alphacode verwenden, um ihre Entwicklungen zu verbessern? Mehr als vorstellbar und in naher Zukunft sehr realistisch. Künstliche Intelligenz wird in viele Teile unseres Lebens einziehen oder ist dort schon längst angekommen.
Wird diese Entwicklung unser Leben beeinflussen? Ja, sicher. Werden Berufe verschwinden oder sich grundlegend verändern? Ja, schneller als viele erwarten. Werden wir jetzt alle arbeitslos? Nein, ich persönlich sehe diese Veränderung sehr positiv. KI wird uns neue Informationen liefern, die es uns ermöglichen, bessere Entscheidungen zu treffen und es werden neue Berufe und Möglichkeiten geschaffen. Dennoch müssen wir die Entwicklung kritisch beobachten und bei Fehlentwicklungen gegensteuern. Außerdem können wir die Forschung nicht einfach den großen US-Unternehmen überlassen. Gerade Europa sollte alles tun, um mit der Forschung Schritt zu halten und in KI oder Blockchain massiv investieren. Besonders wichtig sind meines Erachtens aber Open-Source-Projekte, die es Selbständigen und kleinen Unternehmen ermöglichen, an dieser Entwicklung teilzuhaben.


Erwin Entrich

Erwin Entrich

Themen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz & Förderungen