NFT – für Glücksritter oder „Real business“?

In den letzten Wochen und Monaten kam man um das Thema NFT kaum mehr vorbei. Kein Tag verging an denen man nicht von neuen Höchstgeboten und Millionen Umsätze für digitale Affenbilder gehört hatte. Aber sind NFTs wirklich nur reine Spekulationsobjekte und ein Fall für Glücksritter?

Dieser Artikel ist Teil 1 der NFT Serie und ich möchte hier weniger auf den technischen Aspekt von NFTs eingehen, sondern der Frage nachgehen, ob NFTs nur für Spekulanten interessant sind, oder ob man sie im „realen“ Business einsetzen kann bzw. wo sie schon eingesetzt werden.

Was ist ein NFT?

Für alle die mit dem Begriff NFT oder „Non-Fungible Token“ noch nicht ganz vertraut sind versuche ich eine ganz kurze simple Erklärung. NFT sind digitale Objekte wie Bilder, Video oder Audiodateien, die mittels Blockchain signiert und somit einzigartig werden. Etwa wie ein Gemälde, dass durch die Unterschrift des Künstlers einmalig und zuordenbar ist. Der Wert des NFTs wird, wie bei jeder anderen Kunst auch, durch Qualität, Begehrlichkeit, Ansehen, Trend … des Künstlers oder des Kunstwerkes bestimmt. Kurz gesagt ein NFT ist einfach ein originales digitales Kunstwerk bzw. Objekt.

Mona Lisa Original vs. Mona Lisa Kopie

Viele werden jetzt denken, „Na ich kann mir doch das Bild (NFT) einfach kopieren und habe dann auch das gleiche Bild in gleicher Qualität zu Verfügung.“ Ja, natürlich, aber das ist ungefähr dasselbe, als wenn Sie die Mona Lisa abmalen. Sie haben dann, wenn Sie gut zeichnen können, vielleicht ein identisches Bild der Mona Lisa, aber nicht das Original von Leonardo da Vinci. Der Wert Ihrer Kopie wird wahrscheinlich nicht annähernd in die Richtung des weltberühmten Ölgemäldes heranreichen. Beziehungsweise einfacher gefragt, was hätten Sie lieber das Original vom Louvre oder Ihre Anfertigung?

NFT Hype – CryptoPunks & Co

Also wer kauft jetzt so ein NFT und was ist es wert? Gute Frage aber schwierig zu beantworten. Fangen wir so an. An Anfang einer neuen Technologie steht oft ein Hype eine euphorische Welle. In der befinden wir uns gerade. Vielleicht haben Sie schon von den CryptoPunks, den Bored Ape Yacht Club oder Beeple gehört. NFTs die um Millionenbeträge verkauft wurden. Um exakt zu sein ein Werk vom Künstler Beeple oder auch „Mike Winkelmann“ genannt wurde am 11 März 2021 um 69 Mio. USD bei Christies versteigert. Verrückt? Darüber lässt sich sicher streiten. Gerade in Anbetracht, dass auch andere digitale Kunstwerke zu horrenden Preisen auf diversen Plattformen angeboten und verkauft werden. Also doch Glücksritter und Spekulation! Man wird sehen, wie sich dieses Phänomen entwickelt und welchen Wert diese „Kunstwerke“ in 1,2 oder 3 Jahren haben. Das Interessante dabei ist eigentlich die Technologie und die Einsatzmöglichkeiten für traditionelle Unternehmen.

Real Life Anwendungen

Wenn wir jetzt von dem momentanen NFT Hype und seinen Ausblühungen absehen, wie kann man NFTs im herkömmlichen Betrieblichen Umfeld einsetzten. Sehen wir uns einmal bekannte Beispiele Internationaler Marken an.
WWF
WWF Deutschland hat einen sehr interessanten Ansatz gefunden. Auf der Seite www.wwf-nfa.com hat das NGO bedrohte Tierarten von Künstlern in einzigartige digitale Kunstwerke umgestalten lassen. Durch den Kauf eines solchen NFTs spendet man an die Organisation und erhält auch noch eine digitale Kreation in limitierter Auflage. Bis 01.02.2022 wurden damit € 244.830 ,- Einnahmen erzielt. Der Mehrwert für den Käufer? Er spendet, erhält ein Kunstwerk, welches im Preis steigen könnte und nicht zu vergessen er kann das digitale Bild auch auf Webseiten bzw. als Sozialmedia Avatar einsetzen. Auf die Art „Tu Gutes und rede darüber“.
Coca Cola
Coca Cola geht da sogar noch einen Schritt weiter und hat 2021 unter anderem die Coca-Cola Bubble Jacke als NFT versteigert. Das interessante daran ist, dass diese Jacke in der virtuellen Welt getragen werden kann. d.h. der Besitzer kann im Decentraland, eine 3D-Plattform für virtuelle Realität, diese Jacke seinem Avatar anziehen und damit durch die Landschaft streifen, andere Nutzer treffen und am virtuellen sozialen Leben teilhaben. Die Markenbotschaft geht somit über das reale Leben hinaus in die virtuelle Welt hinein. Wobei natürlich zu hinterfragen ist was als Real angesehen wird. Ist ein Treffen mit Freunden in der virtuellen Welt nicht ebenfalls Real? Aber das ist eine Diskussion für einen anderen Beitrag.
Adidas
Ein weiterer sehr Interessanter Ansatz wird von Adidas verfolgt. Der Sportkleidungshersteller hat sich gleich mit drei Pionieren der NFT Szene gmoney, PUNKS Comic und der Bored Ape Yacht Club zusammengetan und feiert mit Ihnen den Einstieg ins Metaverse. Dabei werden die Figuren der genannten Künstler mit der Kleidung von Adidas verbunden. d.h. der Bored Ape trägt einen Trainingsanzug von Adidas. Der Käufer des Adidas NFTs bekommt aber nicht nur das NFT, sondern kann mit diesen dann im Jahr 2022 auch exklusive physische Produkte von Adidas kostenfrei beziehen. Das NFT dient somit nicht ausschließlich als Kunstobjekt im virtuellen Raum, sondern ermöglicht auch den Bezug von physischen Produkten. Diese Kombination ist ein guter Ansatz, um beide Welten zu Verbinden und den Mehrwert für den Besitzer deutlich zu erhöhen.


Fazit

Zurück zu unseren Ursprungsfrage. Sind NFTs nun reine Spekulationsobjekte und ein Fall für Glücksritter oder aber auch für traditionelle Unternehmen geeignet. Natürlich wird momentan im NFT Hype viel spekuliert und die Preise sind teilweise nicht seriös, aber NFTs sind genauso wie Kryptowährungen hier, um zu bleiben. Mit einem guten Marketingkonzept, einer abgestimmten Zielgruppenstrategie und gezielter Sozialmedia Kampagne sind NFTs ein tolles Vehikel, um neue Kunden anzusprechen bzw. bestehende an die Marke zu binden. Weiters bieten NFTs aber auch Möglichkeiten ganz neue Geschäftsfelder zu erschließen die entweder nur virtuellen bestehen, oder aber auch die physische mit der virtuellen Welt verbinden. Kurz und gut, nehmen Sie sich etwas Zeit, tauchen Sie ein in das NFT Universum und überlegen Sie sich wie Ihr Unternehmen am besten vom neuen Trend profitieren könnte.


Erwin Entrich

Erwin Entrich

Themen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz & Förderungen